Vegane oder vegetarische Ernährung für Hunde — Das solltest du beachten

vegane bzw. vegetarische ernährung für hunde

Immer mehr Menschen werden sich den herrschenden Zuständen in der industriellen Fleischproduktion bewusst und entscheiden sich für eine vegetarische oder vegane Ernährung. Da ein Umdenken im Verbrauch von tierischen Nahrungsmitteln immer mehr stattfindet, ist es nicht verwunderlich, dass  auch zunehmend kritisch auf die Hundefütterung geschaut wird. Viele vegetarische oder vegane Hundehalter hegen den Wunsch, auch ihre Hunde fleischfrei zu ernähren und setzen sich zunehmend mit einer fleischfreien Kost für ihre Hunde auseinander.

Neben der Philosophie des Hundehalters können aber auch Krankheiten Indikatoren für eine fleischfreie Fütterung sein. So bietet sich beispielsweise bei einer Futtermittelunverträglichkeiten gegen tierisches Eiweiß eine vegane Ernährung an. Ebenso kann bei einer eingeschränkten Leberfunktion oder bei einem Lebershunt eine fleischfreie Kost wieder zu mehr Vitalität des Hundes verhelfen. Auch wenn kritische Stimmen behaupten, dass eine vegetarische/vegane Fütterung Tierquälerei sei. Seinen Hund vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren, ist prinzipiell möglich. Weshalb und worauf es bei selbstzusammengestellten Mahlzeiten zu achten gilt, um die Versorgung des Hundes mit allen notwendigen Nährstoffen zu gewährleisten, erfährst Du im folgenden Beitrag.

Ist der Hund ein reiner Fleischfresser oder ein Allesfresser?

Hunde werden zu den so genannten fakultativen Karnivoren gezählt. Ihr Raubtiergebiss sowie ihr kurzer Verdauungstrakt gelten als Indikatoren dafür, dass der Hund auf eine fleischbasierte Nahrung angewiesen ist. Dabei wird jedoch oft außer Acht gelassen, dass nicht die Länge des Verdauungstrakts maßgeblich ist, sondern dass das Verhältnis von Darmlänge zu Körperlänge ausschlaggebend ist. Bei dieser Betrachtung fällt auf, dass das Verhältnis beim Hund des eines Allesfressers (z.B. Mensch) gleicht und bei etwa 6:1 liegt. Im Vergleich: Das Verhältnis beim reinen Fleischfresser (z.B. Katze) liegt bei etwa 4:1 und beim Pflanzenfresser (z.B. Schaf) bei etwa 24:1. Und dass man sich trotz Raubtiergebiss vorwiegend pflanzlich ernähren kann, beweist übrigens der Pandabär, dessen Leibspeise bekanntlich die Bambuspflanze ist.

Hunde können pflanzliche Nahrung verdauen

Die Domestikation, die den Wolf zum Hund werden ließ, hat nicht nur zu einer Anpassung an die menschliche Lebensweise, sondern auch auf die Verwertung von menschlichen Essensresten geführt. Seit mehreren tausend Jahren fressen Hunde das, was der Mensch ihnen übriggelassen hat und das dürfte in den seltensten Fällen Fleisch gewesen sein.  Das hatte auch ernährungsphysiologische Auswirkungen zur Folge. In wissenschaftlichen Studien wurde nämlich herausgefunden, dass Hunde im Vergleich zum Wolf eine größere Kopienanzahl bestimmter Gene aufweisen, die im Zusammenhang mit der Kohlenhydratverdauung stehen. Hunde sind daher -im Gegensatz zum Wolf – imstande, pflanzliche Nahrung sowie Stärke zu verdauen. Deshalb werden Hunde ebenfalls gerne zu den Omnivoren (Allesfressern) gezählt.

Was ist bei einer veganen bzw. vegetarischen Kost für den Hund zu beachten?

Der Hund benötigt eine Proteinquelle, Kohlenhydrate, Gemüse und Obst. Zusätzlich kann die Mahlzeit mit Öl verfeinert werden. Der Unterschied zur klassischen Fütterung besteht darin, dass die Proteinquelle kein Fleisch darstellt und sich die Zusammenstellung der einzelnen Komponenten verändert.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate dienen als Energielieferant nehmen mit ca. 40% der Mahlzeit den größten Platz im Hundenapf ein. Zur Auswahl stehen vielfältige Kohlenhydratquellen,  wie beispielsweise Nudeln, Kartoffeln, Reis, Quinoa, Polenta, Couscous, Hirse oder Haferflocken. Kohlenhydrate müssen, bis auf die Haferflocken, gut durchgekocht werden.

Proteine

Ungefähr 30 % der Hundemahlzeit sollten aus Proteinen (Eiweiß) bestehen. Als Proteinquelle können in einer veganen Mahlzeit neben der bekannten Sojabohne und dem Tofu ebenfalls  Erbsen, Linsen, Bohnen, Lupinen und Kichererbsen verfüttert werden. Wichtig ist, dass die getrockneten Hülsenfrüchte zunächst eingeweicht und gekocht werden, bevor sie im Hundenapf landen. Hülsenfrüchte aus der Dose sind hingegen bereits verzehrfertig und brauchen, je nach Bedarf, nur noch zerkleinert werden. Das fördert nicht nur die Verdaulichkeit sondern auch die Akzeptanz des Hundes. Neben der veganen Variante, stehen als vegetarische Proteinquellen zusätzlich Hüttenkäse, rohe Eier und Fisch zur Verfügung.

Hunde haben genaugenommen keinen Bedarf an Proteinen, sondern sie benötigen essentielle Aminosäuren, welches die Bausteine des Proteins sind. Die Verwertung des Proteins wird maßgeblich davon beeinflusst, wie ähnlich sie den körpereigenen Proteinen sind. Daher besitzen Proteine tierischen Ursprungs eine höhere biologische Wertigkeit als pflanzliche Proteine für den Hund. Wer daraus aber nun zu schlussfolgert, dass pflanzliches Protein für den Hund gänzlich unbrauchbar ist, irrt sich. Es bedeutet lediglich, dass auf die Auswahl und Vielfältigkeit der gefütterten Eiweißquellen besonderes Augenmerk gelegt werden sollte. So kann auch gewährleistet werden, dass der Hund mit allen benötigten Aminosäuren versorgt wird.

Gemüse und Obst

Gemüse und Obst dienen vorwiegend als Ballaststoffe und wirken sich positiv auf die Darmperistaltik aus. Ca. 30 % der Mahlzeit sollten aus Gemüse und Obst bestehen. Die Auswahl ist dabei kaum begrenzt. Als Gemüsesorten eigenen sich besonders Karotten, Zucchini, Salate, Süßkartoffeln, Wirsing, Rote Bete, Kürbis, Pastinake, Brokkoli  und Blumenkohl. Beim Obst kann zu Äpfeln, Birnen, Bananen, Kiwis und Beeren gegriffen werden. Weintrauben und Avocados sollten nicht an den Hund verfüttert werden, da sie giftig sind. Das Gemüse kann wahlweise roh, gegart oder gekocht verfüttert werden. Das sollte immer in Abhängigkeit von der Verträglichkeit und den Vorlieben des Hundes erfolgen, damit das Verdauungssystem in der Lage ist, alle Nährstoffe bestmöglich zu verwerten.

Öle

Zusätzlich können die Hundemahlzeiten mit einem Löffel Öl verfeinert werden. Hier stehen ebenfalls zahlreiche pflanzliche Öle zur Verfügung. Besonders eignen sich Hanföl, Leinöl, Borretschöl und Kokosöl. Letzteres kann ebenfalls als Energielieferant eingesetzt werden.

Nahrungsergänzungsmittel bei einer fleischlosen Ernährung

Trotz abwechslungsreicher Fütterung, kann bei vegan ernährten Hunden ein Mangel an Vitamin B12, Eisen, Kalzium, Vitamin E  und Vitamin D entstehen. Ebenso sollte die Zufuhr der essentiellen Aminosäuren sichergestellt werden.  Insbesondere die Aminosäuren Methionin, Taurin sowie Cystin sollten aufgrund ihrer geringen Menge im pflanzlichen Protein extra zugeführt werden. Daher sollte ein entsprechendes Nahrungsergänzungsmittel ein fester Bestandteil bei einer ausgewogenen fleischfreien Ernährung sein.  Im Handel gibt es bereits zusammengestellte Mischungen,  die speziell für eine vegane Hundeernährung entwickelt wurden.


Fazit zur vegetarischen bzw. veganen Ernährung für Hunde

Sei es aus moralischen, ethischen oder gesundheitlichen Gründen, seinen Hund vegetarisch oder vegan zu ernähren, ist prinzipiell möglich, wenn man ein paar Dinge beachtet. Voraussetzung  sollte stets sein, dass der Hund die fleischfreie Kost gut verträgt und ebenfalls gerne frisst. Da eine vegane/vegetarische Fütterung nicht die gleiche biologische Wertigkeit wie eine fleischbasierte Kost für den Hund besitzt, ist es bei einer vegetarischen/veganen Fütterung umso wichtiger, auf eine gute Auswahl und Abwechslung bei den Nahrungsmitteln zu achten. Ebenso gilt es, eventuelle Defizite mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln auszugleichen.

Darüber hinaus kann eine selbstzusammengestellte vegetarische oder vegane Fütterung die gleichen Nachteile mit sich bringen wie andere Fütterungen auch, die in Eigenregie mangelhaft zusammenstellt werden. Grundsätzlich gilt: Wer die Rationen für seinen Hund selberzusammenstellen möchte, sollte sich mit dem Thema ausgiebig befassen oder sich Rat von einem Ernährungsberater oder Tierheilpraktiker einholen.

 

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